Predigt

"Gamechanger" - Kreuz & Quer vom 29.05.2022

zur Bibelstelle: Lukas 13,10-13

Liebe Gemeinde!

Jesus heilte die Frau von einer schlimmen, unheilbaren Krankheit. Ihr Rücken war verkrümmt. Sie konnte nicht mehr aufrecht stehen und laufen. Wenn sie stand, konnte sie niemandem in die Augen sehen. Es war mehr als eine körperliche Krankheit. Es waren nicht nur Knochen oder Wirbel verschoben, sondern der ganze Mensch war verschoben. Nicht nur der Rücken, sondern sie selbst war schief und krumm. Die Frau war von einem Geist geplagt, der sie krank machte. 

Das heißt, diese Geschichte geht nicht nur die etwas an, die unter einem krummen Rücken leiden, sondern jeden Menschen. Martin Luther sagte einmal: Jeder Mensch ist in sich selbst verkrümmt. So beschreibt er das Wesen der Sünde. Sünde bedeutet: Der Mensch ist nicht offen für seinen Mitmenschen und Gott. Er lebt auf sich selbst bezogen, ist nur mit sich beschäftigt und zwar so sehr, dass er ganz und gar in sich verschlossen ist und gar nicht mehr von dieser Verschlossenheit, diesem In-Sich-Verkrümmtsein los kommt, selbst wenn er es wollte. 

Oft können wir gar nicht so, wie wir wollen. Unzählige Süchte plagen den Menschen. Das können Essstörungen sein, unter denen viele junge Menschen leiden, vor allem Mädchen und junge Frauen. Es kann das Rauchen sein, von dem ich nicht loskomme, bestimmte Charaktereigenschaften wie das Zornig werden, deren ich nicht Herr werde. Immer wieder überkommt es einen. Es kann Angst sein, Neid, Hass, Sorge. Diese Gefühle belasten einen, aber man wird sie nicht los. 

Sexuelle Abhängigkeiten können einen Menschen quälen. Ein Beispiel: Da drängt sich eine junge Frau in die Ehe eines Mannes mit Familie. Als sie von einem Seelsorger daraufhin angesprochen wird, sagt sie: "Ich komme nicht von ihm los! Ich kann es einfach nicht!" Es kann der der Konsum von Porno sein. Zuerst ist es vielleicht die Neugier, die einen dazu bewegt, entsprechende Bilder oder Filme anzuschauen. Dann wird es ein innerer Zwang. Man muss Pornos konsumieren, auch wenn man gar nicht mehr will. 

Sind wir nicht alle wie von unsichtbaren Ketten gebunden? Unehrlichkeit, Lüge, ein Kettenglied, böse geredet, ein Kettenglied, eine dreckige Phantasie, ein Kettenglied. Und wir kommen nicht von ihnen los! Läufst du auch gekrümmt durchs Leben? 

Und kennst du auch die Sehnsucht, von diesen Ketten loszuwerden? Axel Kühner erzählt einmal in einem seiner Bücher von seinem Bruder. Als er sechs Jahre alt war, verbrühte er sich mit einem Topf kochenden Wassers den ganzen Rücken. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt war der Rücken noch eine große eitrige Wunde, die täglich neu verbunden werden musste. Jeden Morgen ganz früh wurden die Schmerzen für ihn unerträglich und er weinte und schrie: "Ich will zum Verbinden, ich will zum Verbinden!" 

Das, so Kühner, ist der Schrei des verletzten, zerrissenen, gekränkten Menschen: "Ich will zum Verbinden!" Bist du auch so verletzt, zerrissen, innerlich krank, dass du dich danach sehnst: Mein Leben soll wieder heil werden?

Jesus ist derjenige, der dies tun kann. Er hat das Leben der verkrümmten Frau wieder heil gemacht, hat ihren Rücken angerührt, dass sie wieder aufrecht stehen und gehen konnte. Und er kann das heute auch noch tun. Alles, was bei dir verbogen ist, kann er wieder in Ordnung bringen. Denn er ist ja mehr als ein Mensch. Er ist der Sohn Gottes, mit dem du reden kannst. Du kannst ihm deine Not im Gebet sagen. Und er hört dir zu. Und antwortet dir. 

In der Geschichte von der Heilung der verkrümmten Frau ging die Initiative von Jesus aus. Er sah sie, sah ihr Elend und rief sie zu sich. Auch heute in diesem Gottesdienst sieht Jesus dich. Er sieht deine Not und ruft dich durch das, was du jetzt hörst, zu sich. Du bist ihm nicht egal. Gerade dein Schicksal interessiert ihn brennend. 

Jesus nimmt die Not eines einzelnen Menschen ernst. So machte er es damals mit der verkrümmten Frau. Er geht auf sie ein, spricht mit ihr ganz persönlich und hilft ihr. Sie soll wissen: Ich bin ihm wichtig, so wichtig, dass er sich ganz persönlich Zeit für mich nimmt. 

Das dürfen wir alle wissen, du und ich: Jesus nimmt sich Zeit für dich, ob du jung oder alt bist, gesund oder krank, intelligent oder vielleicht nicht so ganz helle, ob du einsam bist oder viele Freunde hast, ob du strotzt vor Selbstbewusstsein oder dich am liebsten wie ein Mäuschen in ein Loch verkriechen möchtest. Du bist ein besonderer Gedanke Gottes und Jesus nimmt sich für dich Zeit. Nimm dir doch auch für ihn Zeit. Sag ihm alles, was du auf dem Herzen hast. Er hört dir zu und hilft dir gern. 

Jesus sieht dich, so wie er die verkrümmte Frau gesehen und nicht übersehen hat. Gerade sie. Weil sie seine Hilfe, sein wunderbares Eingreifen brauchte. Ob sie jemals so einen Blick gespürt hat? Bisher hatten sie ihre Mitmenschen vielleicht mit Mitleid angesehen, vielleicht mit heimlicher Verachtung, weil Krankheit damals ja als Strafe Gottes angesehen wurde. Manche werden auch ihren Blick von ihr abgewandt haben, weil sie dem Elend dieser Frau ausweichen wollten. Jesus sieht sie voller Liebe an.  

Und dieser Blick der Liebe findet unglaubliche Worte. „Frau, sei frei von deiner Krankheit.“ Ganz selbstverständlich klingt das. Jesus hatte keinerlei Zweifel daran, dass das auch geschehen wird, was er ankündigte. So kann nur einer sprechen, der weiß, dass er wirklich alle Macht hat, im Himmel und auf Erden, wie er es seinen Jüngern einmal sagte. 

Der Satz „Deine Sünden sind dir vergeben!“ reichte aus, um bei einem gelähmten Mann die Macht der Sünde in seinem Leben zu brechen. Drei Wort genügten, um seinen toten Freund Lazarus wieder zum Leben zu erwecken und aus dem Grab herauszuholen: „Lazarus, komm heraus!“ Er hat Macht über die Elemente der Natur. Einmal war er mit seinen Jüngern in einem Boot auf dem See Genezareth. Ein Sturm erhob sich. Das Boot drohte mit Wasser vollzulaufen. Ebenfalls drei Worte genügten, um den Sturm zu beenden: „Schweig und verstumme!“ 

Seine Worte sind immer voller Macht. Sie sind nicht leer. Sie bedeuten nicht nur eine Information. Sondern sie sind Schöpfungsworte. Sie schaffen etwas Neues, wie bei der Erschaffung der Welt. Sie bewirken das, was sie sagen. 

Jesus kann helfen. Es gibt für ihn keine aussichtslosen Lagen. 

So hat es auch Sabine Ruocco erlebt. Sie war drogenabhängig. Ein hoffnungsloser Fall. Doch auch sie erlebte die Hilfe Jesu. Wir sehen und hören ein Interview mit ihr, aufgezeichnet vom ERF.

Video „Von Süchten befreit“

Das ist eine ganz beeindruckende Geschichte, die wir gerade gehört haben. Kein Märchen, sondern wahr. Sabine hatte 14 Entziehungsversuche hinter sich. Da wendet sie sich in ihrer Not an Jesus – und wurde frei! 

Bei Jesus gibt es keine hoffnungslosen Fälle. So hat es auch die diese verkrümmte Frau erlebt. Sie litt 18 Jahre unter ihrer Krankheit. Das war damals ein halbes Leben. Ob sie noch Hoffnung hatte, dass sie jemals wieder gesundwerden könnte? Nach so langer Zeit? Oder ob sie schon aufgegeben hatte? Einen Funken Hoffnung wird sie noch gehabt haben. Sonst wäre sie nicht zu Jesus gekommen und hätte sich nicht die Hände von ihm auflegen lassen. Sie ließ das an sich geschehen, was Jesus mit ihr tat. 

Und sie erlebte: Jesus war der Gamechanger ihres Lebens. „Gamechanger“ ist ein Begriff, der eigentlich in der Wirtschaft verwendet wird. Ein Gamechanger ist eine Person, ein Unternehmen, ein Produkt oder eine Technologie, die starken Einfluss auf ein Spiel, eine Branche oder einen Markt hat. Ein Gamechanger sorgt dafür, dass bisher geltende Regeln und Mechanismen außer Kraft gesetzt und durch neue ersetzt werden. Dies sorgt dafür, dass sich ein Spiel, eine Branche oder ein Markt radikal ändert.

Jesus ist auch so ein Gamechanger. Wenn er in ein Leben eingreift und eintritt, werden auch bisher geltende Regeln und Mechanismen außer Kraft gesetzt. Er kann ein Leben radikal verändern. Hoffnungslosigkeit kann Hoffnung weichen, Zweifel dem Vertrauen, Abhängigkeit von Süchten der Freiheit und auch immer wieder Krankheit der Gesundheit. 

Traust du ihm das zu? Lässt du ihn ran an dein Leben, gerade an deine wunden Stellen, gerade da, wo wirklich dein Problem ist? Die Frau in unserer Geschichte ließ sich von Jesus berühren. Und sie wurde gesund. Ihre Gestalt wurde aufgerichtet, auch ihr Kopf. Kopf hoch! Das durfte sie im wörtlichen Sinne erleben.

Jesus will nicht, dass wir den Kopf hängen lassen. Er will, dass wir ihn wieder heben und auf ihn sehen. Ich bin mit meinen Ängsten, Sorgen, mit meiner Sünde und Schuld nicht allein. Einer ist da, der will mir helfen, mich trösten, mir vergeben. Einer ist da, der wacht über mich. Der wacht auch über dich. Du kannst ihm alles bringen, was dir zum Tragen zu schwer ist. Die ganze Last eines Lebens darfst du bei ihm abladen. Er trägt sie gern. Lass es zu, dass er es tun kann!

Jesus ganz nahe ran lassen an ein Leben, kann auch bedeuten, dass du auch einmal alle Ängste, Sorgen und Schuld bei einem Seelsorger auspackst, das aussprichst, was dein Leben belastet, und durch den Zuspruch der Vergebung Freiheit erfährst, dass dein Leben nun nicht mehr krumm und verbogen ist, sondern wieder gerade ist. Dass du Frieden mit Gott bekommst. 

Mach das doch einmal. Gönne es dir. Geh zu einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin. Du kannst auch mich kontaktieren und mit mir einem Termin ausmachen. 

Und sag ihm dann dein eigentliches Problem, das, wo du meinst, das kann ich niemandem sagen. Sprich gerade das aus. 

Sag ihm das eigentliche Problem! Mach es nicht wie jener Bauer, der zu seinem Pfarrer ging. Er beichtete ihm: „Herr Pfarrer, ich habe einen Strick gestohlen!“ Der Pfarrer wundert sich: „Einen Strick?“ Er konnte sich nicht vorstellen, was der Bauer mit einem Strick anfangen wollte. Aber er spricht ihm die Vergebung zu. Nach ein paar Wochen kommt der Bauer noch einmal und druckst herum: „Also Herr Pfarrer, ich habe das letzte mal nicht alles erzählt. An dem Strick hing noch eine Kuh!“ Das eigentliche Problem hatte er also zunächst verschwiegen: die Kuh! Und fand dadurch keinen Frieden!

Jesus ist also der Gamechanger. Er kann sogar Unmögliches tun. Er kann sogar eine Frau heilen, die 18 Jahre lang krank war. Er kann auch dich verändern, der du jahrelang an einem Problem leidest und es nicht loswirst. 

Nun stelle ich die Frage an uns, an dich:  Kannst du dir das auch vorstellen, dass Jesus auch dir in deiner Lage hilft, auch wenn du schon lange unter einer körperlichen Krankheit leidest, oder wenn du seelisch angeschlagen bist, wenn dir Abhängigkeiten schon seit langer Zeit zu schaffen machen, du immer wieder das tust, was du eigentlich gar nicht tun möchtest, dass du dir immer wieder Sorgen machen musst oder andere Menschen unter deiner Unfreundlichkeit leiden?

Es ist ein sensibles Thema, das ich hier anschneide, ich weiß. Natürlich kann ein 70jähriger nicht erwarten, dass er wieder die Gelenke eines 20jährigen bekommt. Wir werden halt mal älter. Jesus nimmt auch nicht alle Lasten in unserem Leben weg. 

Es geht um etwas Grundsätzliches, das wir alle lernen müssen, weil wir auf diesem Gebiet in der Regel ein großes Defizit haben: Trauen wir es Jesus wirklich zu, dass er unser ganzes Leben in seiner Hand ist? Er könnte sicher noch viel mehr auch große Veränderungen in unserem Leben geschehen lassen, wenn wir es ihm nur zutrauen. 

Ich denke an das, was mir jemand vor kurzem erzählt hat. Mit Erlaubnis des Betreffenden darf ich dieses persönliche Erlebnis weitererzählen. In einem seelsorgerlichen Gespräch sagte mir diese Person, sie raucht nun schon seit 38 Jahren, möchte endlich damit aufhören, aber sie schafft es nicht. "Wissen Sie", so antwortete ich, "dass 38 Jahre eine biblische Zahl ist?" "Nein", gab sie überrascht zu. Dann las ich aus der Bibel die Geschichte von dem Mann am Teich Betesda vor. Dieser lag dort 38 Jahre gelähmt, bis Jesus kam und ihn gesundmachte. Daraufhin fasste diese Person Mut, auch für sich zu glauben, dass Jesus sie nach 38 Jahren Rauchen davon freimacht. 

Und so geschah es auch. Die Person schrieb mir: "Ich rauche nicht mehr; auch keine E-Zigarette. Es ist weg! Ich hab‘ keine Lust mehr drauf und der Zwang und die Sucht danach sind auch einfach weg. Ich verstehe es nicht wirklich, weil das etwas war, was tatsächlich außerhalb meiner Vorstellungskraft lag und ich wirklich SEHR GERN geraucht habe -38 Jahre lang." 

Aus den Worten dieser Person sprach eine große Dankbarkeit. Sie war frei, wirklich frei von einer Sucht, die jahrzehntelang ihr Leben beherrschte. 

Auch unsere Heilungsgeschichte endet mit einem großen Dank, mit dem Lob Gottes. Sie pries Gott, lesen wir hier. Daran erkennen wir, dass sie nun nicht nur mit ihrem Körper aufrecht durchs Leben ging, sondern mit ihrer ganzen Person. Vorhin habe ich von dem sündigen, in sich selbst verkrümmten Menschen gesprochen. Dieser gibt nicht Gott die Ehre. Geht es ihm gut, spricht er von „Glück gehabt“ oder lobt seine eigene Tüchtigkeit, der er das Gute in seinem Leben zu verdanken hat. 

Aber einer, der das Wunder von Heilung und Vergebung in seinem Leben erfahren hat, der weiß es besser. Es ist Gott, der an ihm gehandelt hat. Er verdient unser Lob. Nicht nur einmal, nicht nur bei besonderen Gelegenheiten, sondern jeden Tag neu. Tu das auch: Lob ihn dafür, dass du lebst, dass du noch lebst, dass du in einem Land lebst, wo wir in Frieden und Freiheit leben können, wo wir nicht verfolgt werden, weil wir Christen sind, wo wir eine gute medizinische Versorgung haben, wenn wir krank sind. Wir nehmen solche Wohltaten Gottes oft für selbstverständlich. Aber sie sind es nicht. Danke Gott dafür, dass er es uns so gut gehen lässt!

Denn es ist so, wie Samuel Harfst es in seinem Lied „Privileg“ formuliert hat: 

…Er  tut auch heute noch Wunder

Stunde um Stunde, Tag für Tag

Tut der Herr heute noch Wunder

Stunde um Stunde, Tag für Tag

Tag für Tag!

 

Amen.

© 2022 Dieter Opitz