Predigt

"Have a Break" - Kreuz & Quer vom 17.07.2022

zur Bibelstelle: Jesaja 30,15

Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein. Aber ihr habt nicht gewollt.

Liebe Gemeinde!

Es gibt einen Klassiker unter den Schokoriegeln. Nicht zuletzt ist er durch einen eingängigen Werbespruch bekannt: „Have a break, have a …“ Und dann kommt der Name dieses Schokoriegels. Nach Meinung der Hersteller ist dies der ideale Pausensnack. Have a break, auf deutsch: „Mach mal Pause“ und genieße, so die Werbung „die einzigartige Kombination aus zartschmelzender Schokolade und knackiger Waffel“.

Pausen, - wer liebt sie nicht? Als Schüler habe mich oft dem Pausengong entgegengesehnt. Ich bin nun schon 46 Jahre aus der Schule raus. Ich habe viel, was ich da gelernt habe, wieder vergessen. Aber für mich unvergesslich haben sich die Zeiten der Pausen in mein Gehirn eingebrannt: Von 9.20 bis 9.35 und von 11.05 bis 11.15. Warum weiß ich das noch? Ich nehme an, weil die Pausen mir so wichtig waren.

Wir brauchen Pausen zum Entspannen, zum Chillen. Wir lieben längere Pausen wie Ferien oder Urlaub, um mal Abstand zu bekommen von dem öden Unterricht oder von einem stressigen Beruf. Das gehört doch mit zu den schönsten Momenten, wenn ich die Schule verlasse oder meinen Arbeitsplatz und ich weiß: Jetzt habe ich 6 Wochen Sommerferien oder 3 Wochen Urlaub vor mir.

Von einer Pause der besonderen Art spricht hier dieser Bibelvers, den ich eben vorgelesen habe. Der Prophet Jesaja sagte ihn zu dem judäischen König Ahas. Dieser hatte furchtbare Angst. Denn zwei übermächtige Gegner wollten sein kleines Land überfallen. In dieser Situation sagte der Prophet Jesaja zu ihm diesen Satz. Ich drück ihn mal mit meinen Worten aus: Hab keine Angst. Du überlegst hin und her, was du tun kannst. Du machst dir Sorgen. Und vor lauter Sorgen kannst du gar nicht mehr klar denken, sondern bist wie blöd im Kopf. Werde ruhig, sei still und vertraue. Vertraue Gott. Dann hast du wieder einen klaren Kopf. Dann wirst du stark und kannst richtige Entscheidungen treffen.

Das ist sicher ein guter Ratschlag. Wisst ihr, was ich oft mache, wenn ich in Stress bin? Ich lege mich ein paar Minuten hin und schließe die Augen. Und komme dann meist zur Ruhe.

Ob wir nun gestresst sind oder nicht: Wir brauchen immer wieder Zeiten der Ruhe, des Stilleseins. Aber oftmals schaffen wir es nicht oder wollen es nicht. So sagt es schon der Prophet Jesaja vor 2700 Jahren: „Ihr habt nicht gewollt.“

Wir lieben, so scheint es, die Ablenkung, den Lärm und den Krach. Kurt Tucholsky, ein deutscher Schriftsteller, stöhnte schon Anfang des 20. Jahrhunderts: „Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.“

Hundert Jahre später hat der Krach gigantische Ausmaße angenommen. Nicht nur Krach aus Fernsehen und Radio, auch wenn man einmal spazieren geht, Sport treibt, im Bus sitzt oder Fahrrad fährt, stöpselt man sich lieber die Ohren zu, als einmal die Chance zu nutzen, ruhig zu werden.

Wir kommen nicht mehr zur Ruhe. Wir simsen, wir whatsappen, wir chatten, wir mailen. Da klingelt das Handy, wir checken im Urlaub unsere Mails, wir sind an der Kette von unserem Smartphone oder Laptop.

Wir kommen einfach durch die Bilderflut, Tonflut und Informationsflut, der wir uns fortgesetzt aussetzen, nicht mehr zur Ruhe. Und deshalb finden wir auch nicht mehr zu Gott. Wir wollen nichts versäumen. Wir wollen etwas erleben. Aber das größte Erlebnis, das ein Mensch haben kann, ist die persönliche Begegnung mit Gott. Aber dies geht nur, wenn du still wirst.

Das weiß auch der große Gegenspieler Gottes, Satan. Der will verhindern, dass wir zur Ruhe kommen. Der Liedermacher und Schriftsteller Arno Backhaus hat sich in einem seiner Bücher folgende Szene ausgedacht. Satan lädt seine untergebenen Dämonen zu einer Versammlung ein. In seiner Ansprache sagte er: „Lasst die Christen ruhig fromm werden, lasst sie in der Bibel lesen und in die Gottesdienste gehen. Aber haltet sie unbedingt davon ab, eine persönliche Beziehung zu Jesus zu gewinnen. Stehlt ihnen ihre Zeit, damit sie nicht in diese tiefe Beziehung mit Jesus Christus kommen können. Lenkt sie davon ab. Haltet sie mit unwichtigen Nebensächlichkeiten des Lebens beschäftigt. Erfindet unzählige Programme, um ihre Gedanken in Besitz zu nehmen. Lasst sie nicht zur Ruhe kommen.“ Es war ein überaus erfolgreiches Meeting. Die Dämonen gingen eifrig an ihre Aufträge, die Christen auf der ganzen Welt zu beschäftigen und zu jagen, hier und dorthin gehen zu müssen.

In dieser Geschichte steckt eine tiefe Wahrheit. Wir sind oft viel zu beschäftigt, um die Beziehung mit Jesus pflegen zu können. Wir müssen oft darum kämpfen, uns Zeit nehmen, um runterzukommen, um stille zu werden und Zeit mit Jesus zu verbringen.

Jede enge Beziehung, eine Freundschaft oder eine Ehe lebt von diesen Gesprächen unter vier Augen, von den gemeinsamen Spaziergängen im Wald, von den abendlichen Gesprächen im Wohnzimmer oder auf der Gartenbank. Bei der Beziehung zu Gott ist das nicht anders. Wenn ich nicht bereit bin, eine bestimmte Zeit in sie zu investieren, leidet sie darunter und schläft ein.

Bestimmte Rituale fördern eine Beziehung. Meine Frau und ich zum Beispiel trinken fast jeden Tag zusammen eine Tasse Kaffee. Und wenn wir Zeit haben, gehen wir noch eine halbe Stunde spazieren. Das tut unserer Beziehung gut.

Bei der Beziehung mit Gott ist das ganz ähnlich. Es tut ihr gut, wenn du Zeit in sie investierst, am besten sehr regelmäßig.

Viele Christen, die ich kenne, auch ich gehöre zu ihnen, tun dies auch. Sie sparen sich eine gewisse Zeit aus, am besten früh am Morgen, wenn der Tag noch vor einem liegt. Diesen Termin auf später zu verschieben, geht meistens schief. Es kommt in der Regel immer was dazwischen, was mich von der Zeit mit Gott abhalten will. "Stille Zeit", nennen viele Christen diese Minuten am Tag. Diese „Stille Zeit“ ist dazu da, um mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Das ist ja das ungeheure Vorrecht der Christen: Sie haben einen Gott, der nicht stumm ist, sondern der mit ihnen redet. Das ist zum Staunen: Gott hat Zeit für uns, um mit uns zu reden. Kinder klagen über ihre Eltern: „Ihr habt keine Zeit für uns!“ Und Eltern beklagen sich über ihre Kinder: „Wenn man einen braucht, seid ihr nicht da!“  Aber einer hat bestimmt Zeit für uns. Das ist der lebendige Gott, das ist sein Sohn Jesus Christus. Zu ihm kann ich immer kommen mit meinen Problemen, mit meiner Schuld. Und wenn ich es tue, werde ich immer die Erfahrung machen, dass er mir weiterhilft.

Wie oft habe ich es selber erlebt: Wenn ich in Not war, traurig oder niedergeschlagen, und ich Jesus um Hilfe bat, dann ließ er mich nicht im Stich. Dann redete er mit mir.  Auf einmal sprach mich ein Wort der Bibel ganz direkt an, oder es fiel mir ein, und alle Sorgen, alle Lasten oder alle Schuld fielen wieder von mir ab.

Zur Ruhe kommen und Gott begegnen kann ich auch in der Gemeinschaft der Glaubenden wie im Gottesdienst oder bei anderen Veranstaltungen, in denen Gottes Wort verkündigt wird. Gott fordert uns im 3. Gebot "Du sollst den Feiertag heiligen" ja dazu auf. Es ist sein Wille, dass wir, wie Luther es in seiner Auslegung zu diesem Gebot ausdrückt, "… dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern es heilig halten, gerne hören und lernen."

Nimm dir Zeit für das Hören auf das Wort Gottes. Lass dich nicht davon abhalten, auch wenn du denkst, dass du eigentlich gar keine Zeit dafür hast. Nimm dir gerade dann diese Zeit. Dann kannst du wie so manche Christen die Erfahrung machen, dass dir gerade bei diesem Zusammensein geholfen wird und dass du andererseits trotzdem alles schaffst, was du tun musst, oder dass sich manches von selbst erledigt.

Vielleicht denken jetzt manche unter euch: „Du hast leicht reden! Wenn Du wüsstest, wie es in meinem Leben aussieht! Ich habe einen stressigen Beruf. Und zuhause geht weiter. Da muss im Haus der Keller oder das Dach ausgebaut werden, im Garten gibt’s immer was zu tun. Der „lange Samstag“ geht drauf für Einkäufe. Abends ist man geschafft vom Tag, rafft sich zu nichts anderem auf, als den Fernseher einschalten. Oder aber der Frau fällt ein, dass sie ja noch Bügeln muss. Sonntags möchte man einmal ausschlafen, am Sonntagnachmittag muss endlich einmal die Familie und die Verwandtschaft zu ihrem Recht kommen.“

Den Rentner soll es auch nicht anders gehen. Auch die haben merkwürdigerweise, wenn sie einigermaßen körperlich fit sind, oft viel zu tun. Manche Männer behaupten: Sie sind bei der Firma „Desda“ angestellt. Das heißt, ihre Frauen sagen zu ihnen: „Du hast als Rentner doch jetzt Zeit. Da könntest du doch mal „desda“ machen.“

Es sind auch Schüler unter uns. Auch die können seufzen: „Wir haben G8, über 30 Stunden Unterricht, davon dreimal Nachmittag Unterricht. Und wenn ich meine Hausaufgaben gewissenhaft mache, sitze ich bis in die Abendstunden. Von einer 40 Stundenwoche kann ich nur träumen.“

Aber ich kann euch sagen: Ich kann diese Stoßseufzer gut nachempfinden. Denn auch ich war einmal Schüler. Einmal hatte ich in der Oberstufe an einem Montag ungeheuer viele Hausaufgaben. Abends hatte ich meine Jugendgruppe. Dort hörten wir immer etwas über Jesus. Die Versuchung lag nahe, zu denken: Lass diese Jugendgruppe sausen. Du bist ja mit deinen Hausaufgaben noch nicht fertig. Die Zeit fehlt dir dann. Du sitzt dann 2 Stunden länger über deinen Aufgaben. Aber ich ging trotzdem. Ich wollte auch an diesem Abend etwas von Jesus hören, wollte die Beziehung mit ihm pflegen. Danach machte ich meine Hausaufgaben fertig und saß bis in die Nacht darüber, bis halb zehn.

Am nächsten Morgen erzählte ich meinem Banknachbarn von meiner nächtlichen Arbeit. Doch der guckte mich nur an und sagte: „Ich bin bis halb zwölf gesessen.“ Und das war jemand, der schnell und zügig arbeiten konnte und auch super Noten hatte. Als mein Banknachbar mir dies erzählte, ging mir etwas auf, etwas Merkwürdiges. Ich war zwei Stunden in meiner Jugendgruppe und war trotzdem zwei Stunden eher fertig als mein Banknachbar. Da hat dir Gott, so dachte ich, diese zwei Stunden geschenkt, die ich für ihn verwendet habe. Die Zeit, die du dir für Gott nimmst, so ging mir auf, fehlt dir also nicht. Die kriegst du im Gegenteil wieder zurück.

Wir haben also keinen fordernden Gott, der lauter Dinge von mir will, die ich gar nicht tun möchte. Sondern es ist ganz anders. Wir haben einen schenkenden Gott. Der nimmt sich Zeit für mich. Immer. Der will mit mir reden, ob es in der „Stillen Zeit“ ist, in einem Gottesdienst wie heute, in einer Jugendgruppe, in einem Männer- oder Frauenkreis. Der will dir für alles, was vor dir liegt, Mut machen, will, dass du Vertrauen lernst und das sich Sorgen verlernst. Der will dir auch sagen: Nimm dir nicht nur Zeit für dich, für deine Aufgaben oder deine Freizeitaktivitäten. Das tut dir nicht gut. Das füllt dich nicht aus. Es lässt dich vielmehr leer. Sondern nimm dir auch Zeit für mich. Lass dich mit meiner Liebe beschenken und gib sie weiter an andere. Das macht dein Leben besonders, wunderbar. Möchtest Du nicht in deinem Leben immer wieder Wunder erleben? Dann werde stille und nimm dir Zeit für Gott und sein Wort.

Luther sagte einmal sinngemäß: In einem bewegten, rauschenden Wasser kann man die Sonne nicht deutlich sehen. Anders ist es bei einem stillen, ruhigen Wasser. Da kann man sie deutlich sehen. Deshalb rät Luther: Geh dorthin, wo du zur Ruhe kommst und wo Jesus sich dann auch in deinem Leben widerspiegeln kann. „Da –so wörtlich -  wirst du finden Wunder über Wunder.“

Wunder über Wunder, ist es nicht das, was wir brauchen? Wunder in Krankheitsnöten, Wunder in Finanzproblemen, Wunder, wenn wir auf der Suche sind nach einer neuen Arbeit, Wunder, wenn wir auf uns selbst sehen, auf unsere begrenzten Kapazitäten und Kräfte, auf unser Versagen, auf unsere Schuld und unsere Süchte und Abhängigkeiten?

Wir dürfen mit Wundern rechnen. Wir dürfen mit einer ganz anderen Wirklichkeit rechnen als der, die wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen können. Es gibt noch eine göttliche Wirklichkeit, von der uns Hilfe, Trost und Freude zufließen kann. Wir brauchen sie nur zu suchen: in seinem Wort. Von seinem Wort geht wirklich Kraft aus.

Das Geheimnis dieser Kraft lautet: Immer und jederzeit mit der Gegenwart dieses Herrn Jesus Christus zu rechnen. Er ist da. Er ist immer da. Er steht schon früh am Morgen neben unserem Bett und will uns begegnen. Er wartet nur darauf, dass wir unsere Bibel, unser Losungsbuch, unser Andachtsbuch aufschlagen und damit rechnen, dass er zu uns spricht. Lass ihn doch mit dir reden. Beim Einkaufen, beim Geldanlegen und Geldausgeben, auf der Arbeit, zuhause im Wohnzimmer, allein oder in Gesellschaft, bei Sport und Spiel oder im Krankenbett, da ist er bei uns und wartet nur darauf, dass wir zu ihm sprechen: "Herr, ich danke dir, dass du da bist, in guten wie in schweren Zeiten, und mir auch jetzt bei der Last des Tages beistehst." Das heißt ganz praktisch mit der Nähe des lebendigen Jesus Christus zu rechnen. Denn er ist ja wirklich da. Deshalb brauche ich nie zu denken: "Das schaffe ich nicht! Jetzt muss ich aber mich beeilen. Was wird dieser Tag wohl bringen? Wie wird das wohl ausgehen?" Solche Gedanken sind alle Zeichen unseres Misstrauens Gott gegenüber. Sie geben uns keine Kraft, sondern machen uns nur noch schwächer.

Vielmehr dürfen wir alle Dinge im Gebet vor Jesus bringen, und ihm danken, dass er, der alle Macht im Himmel und auf der Erde hat, doch auch da ist. Dieser Glaube schenkt Freude.Und aus der Freude kommt Kraft und Gelassenheit.

 

Amen.

© 2022 Dieter Opitz